Wie entsteht Bewusstsein? Kann man
den Prozess beim Heranwachsen
eines
Fötus, eines Kindes beobachten oder
gar steuern? Lässt sich ein Bewusstsein nach
Gutdünken formen? Diesen Fragen geht ein
Forscherteam in einem geheimen Labor der
Zukunft nach. Zunächst stellt keiner der
Wissenschaftler das Experiment in Frage.
Doch als das heranwachsende «Hirn im
Tank» eine eigene Persönlichkeit und schließlich
exorbitante Fähigkeiten entwickelt,
als es kurzerhand die Leitung des Projekts übernimmt und zu
einer überlegenen Macht geworden ist, werden
die Forscher von ihrer Verantwortung
eingeholt. Indem sie das Blackboxbaby mit allen Datenkanälen vernetzten und mit dem gesamten Menschheitswissen versorgten, haben sie ein Wesen erschaffen, dass der Welt nun den Spiegel vorhält.
Erkki Ahonen gilt seit den 1960er Jahren
als wichtigster Science-Fiction-Autor
Finnlands.
Blackboxbaby, sein philosophisch
tiefgründiger Schlüsselroman von 1972,
wurde
trotz seines Pionierstatus im finnischen
Sprachraum nie übersetzt, weder ins naheliegende Schwedische noch ins Englische oder Deutsche. Selbst auf Finnisch ist es auch antiquarisch kaum noch aufzutreiben, obwohl es in vielen Chatrooms als Geheimtipp gehandelt wird und eine eingeschworene Fangemeinde besitzt. Mit diesem Band der Reihe Zwielicht eröffnen sich also bisher hermetisch
verschlossene Lesewelten!
Die philosophischen Fragen zu Menschenwürde,
Persönlichkeit, Freiheit und Selbstbestimmung,
zu Wahrnehmung, Bewusstsein und Gesellschaft, die innerhalb des spannenden
Science-Fiction-Kammerspiels aufgeworfen
werden,
sind angesichts der heutigen technischen
Möglichkeiten und der vielerorts noch gewachsenen sozialen Schieflage vielleicht sogar aktueller
als beim ersten Erscheinen des Buches.
Deutsche Erstübersetzung.
Die Originalausgabe erschien 1972 unter dem Titel
Tietokonelapsi bei Gummerus Helsinki.
Leseprobe: «Wir Codierten sprachen untereinander nicht darüber. Zweifel, private Ansichten und Vorurteile hatten wir vor der Türe gelassen. Unsere Aufgabe war es, ein Bewusstsein beim Erwachen zu beobachten und nach Kräften zu unterstützen. Zuweilen diskutierte ich mit dem Kind über diese Dinge, und es akzeptierte unsere Sicht.»
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Pressestimmen
«Die Prosa hat auch
in der Übersetzung etwas Nüchternes,
Reduziertes, Genaues – so entsteht ein
Eindruck kühler Sachlichkeit, von der
ausgehend sich angesichts der ethischen
Fragwürdigkeiten des Experiments eine
subtile Beklemmung entfaltet. (...) Ein Roman, der zwar nicht ganz
ungealtert, aber aufgrund seines hohen
Abstraktionsgrades recht zeitlos
wirkt und der durch seinen Ton zu
fesseln vermag – und der zeigt, dass
Fragen um Ethik und Moral den forschenden
Menschen immer begleiten
werden und müssen.» Elina Kritzokat,
Jahrbuch für finnisch-deutsche Literaturbeziehungen
«In Finnland gilt dieser längst vergriffene Roman als eine Art Kultbuch, ein verborgener Klassiker. Der kopflastige Roman ist in der Tat eine interessante Variation des Themas Superhirn, er enthält manche Einfälle, die als Gedankenanstoß dienen können, aber nicht voll ausgeführt werden. Es ist ein interessanter, gedankenvoller Beitrag in dem meist übermäßig handlungsbetonten, Space-Opera-dominierten SF-Angebot.» Franz Rottensteiner,
Quarber Merkur
«In einem Geheimlabor wird ein ‹Hirn im Tank› entwickelt, das Blackboxbaby. Verbunden und versorgt mit dem gesamten menschlichen Wissen wird es schnell selbständig und übernimmt die Kontrolle über sich und die anderen. Nun ist nur noch die Frage, wie und wofür Blackboxbaby seine gewaltige Macht einsetzt. Der 1932 geborene Erkki Ahonen gilt als wichtigster Science-Fiction-Autor Finnlands. In diesem hervorragenden Roman behandelt er höchst philosophische und aktuelle Fragen zu Menschenwürde, Freiheit und Selbstbestimmung, Bewusstsein und Gesellschaft.»
20Minuten, Zürich
«
Blackboxbaby ist kein leichter Roman. Dies heißt allerdings nicht, dass er etwa langweilig ist. Er ist anspruchsvoll, tiefgründig und provokativ. Dabei greift Ahonen den damaligen Zeitgeist auf und verarbeitet soziale Ängste und Diskussionen, die heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben: Genforschung, atomare Bedrohung, Medienmanipulation. Bereits Anfang der 70er Jahre nimmt er die Idee des Internets vorweg. (...) Mit Sicherheit beruft sich Ahonen auf Romane wie „Donovans Hirn“ oder „Colossus“. Aber der finnische Autor geht noch einen Schritt weiter, indem er tiefgründiger über das Menschsein debattiert, wobei stets die Frage des Individuums im Zentrum steht. Diese Fragen interessieren das Wesen am meisten, da es selbst nicht weiß, ob es nur Teil oder Alles ist. Die Diskussionen (...) sind spannend und regen zum Nachdenken an. Es ist so, wie es der Übersetzer Miikka Müller sagt: Der Roman bleibt einem durch seine Eindringlichkeit im Gedächtnis haften. – Eine wahre Entdeckung, die hoffentlich weitere nach sich zieht!»
Max Pechmann,
FictionFantasy.de (Lesen Sie die
vollständige Rezension – bitte anklicken.)
«Obwohl der Roman in den frühen siebziger Jahren geschrieben worden ist, extrapoliert Ahonen nicht nur die atomare Bedrohung durch «Terroristen» und den leichtfertigen Umgang insbesondere der Politiker mit Atomwaffen/Atomenergie, sondern setzt sich sehr konkret und realistisch mit einem globalen Datennetz auseinander. (...) Darüber hinaus bestimmt die zweite Hälfe des Buches die Auseinandersetzung mit den Widersprüchen der menschlichen Zivilisation. (...) Das
Blackboxbaby versucht nicht nur, den Hass aus dem Unterbewusstsein der Menschen zu befreien, sondern versucht diese für ihn nur schwer verständlichen Emotionen auf sich zu projizieren. Mit diesem indirekten Schritt soll sich auch die wirkliche Welt ändern, der Finne beschreitet diesen auch literarisch kritisch zu sehenden Weg über die Gestalt des Sehers, wie Müller in seinem Nachwort extrapoliert. (...) Ahonen reizt den Leser mit einigen sehr zeitlosen Thesen, stiehlt sich an anderen Stellen allerdings auch nach der entsprechenden fragentechnischen Provokation konsequent aus der Verantwortung, zumindest eine diskussionswürdige Antwort zu geben. Trotz dieser Schwächen ist die Veröffentlichung des
Blackboxbabys zum ersten Mal in deutscher Sprache begrüßenswert, vor allem öffnet das Buch die Tür in den bislang eher unterrepräsentierten skandinavischen Raum einen Spalt weiter. Die angesprochenen Sehnsüchte und Ängste sind von globaler Natur, in gewisser Weise zeitlos und heute noch aktuell.»
Thomas Harbach,
SF-Radio.net (Lesen Sie die
vollständige Rezension – bitte anklicken.)