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Am Schrein des roten Sufi

Jürgen Wasim Frembgen

Am Schrein des roten Sufi

Fünf Tage und Nächte auf Pilgerfahrt in Pakistan

Erzählbericht

Waldgut Verlag, Frauenfeld 2008, 2011

Gedächtnis der Völker (GdV)

Broschur, 168 Seiten

ISBN 978-3-03740-389-1

Preis CHF 29.00

Preis EUR 27.00

 

Im Kernland der islamischen Mystik, der Provinz Sindh in Pakistan, wird alljährlich ein dionysisches Fest gefeiert: ein einwöchiger Exzess rauschhafter Spiritualität zu Ehren des roten Sufi, des mythenumrankten Wunderheiligen Lal Schahbas Qalandar (gest. 1274).
Der Islamwissenschaftler und Ethnologe Jürgen Wasim Frembgen macht sich von Lahore aus auf den Weg, das fremdartige Spektakel an den vor Menschenmassen brodelnden heiligen Stätten in Sehwan Scharif mitzuerleben. Sein Erzählbericht zeigt ein hierzulande wenig beachtetes, freudvolles Gesicht des Islam, geprägt von Toleranz, Gemeinschaftsgefühl, Rausch und Hingabe. Spannend und farbig schildert der Forscher seine Begegnungen mit skurrilen heiligen Männern, Trancetänzerinnen und Hidschra-Transvestiten, er berichtet von seinem strapaziösen Aufenthalt im Zelt der Wanderderwische, von Orten der Huldigung und Orten abseits der Pilgerströme und schließlich vom eigenen Hineingezogenwerden in den musikalischen, archaischen, spirituellen Sog der gemeinschaftlichen Ekstase. Es entsteht ein Sittengemälde islamischen Volksglaubens von bleibender Eindrücklichkeit.

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Verfilmung

Das Buch bildete die Vorlage zu zwei von einander unabhängigen Dokumentarfilmproduktionen, die 2009 in Pakistan unter Mitwirkung von Jürgen Wasim Frembgen gedreht wurden:
Love and Peace in Pakistan - Eine Reise zum roten Sufi (WDR 2009) und Der rote Sufi – Rausch und Ekstase in Pakistan (3Sat 2010).

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Pressestimmen

«... einer der großartigsten Erfahrungsberichte, die die deutsche Völkerkunde in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. (...) Frembgen, mit der pakistanischen Sufi-Tradition seit fast dreißig Jahren vertraut, ist ein sensibler, teilnehmender Beobachter. Alles Journalistische ist ihm und seinem Bericht ebenso fremd wie wissenschaftliche oder theoretische Sterilität, und daher verwandelt sich seine ethnografische Erkundung im Laufe des Buchs in wirkliche Literatur. (...) Authentisch wirkt Frembgens Bericht auch deshalb, weil ihm nichts zu trivial oder unwichtig erscheint, um aufgeschrieben zu werden. (...) Das Erhabene und das Abstoßende, Unverständliche bleiben als gleichberechtigte Erfahrungen nebeneinander stehen, Frembgen lässt sich ein, ohne zu urteilen. Seine Fragen richten sich schließlich nicht nur an die Kultur, die er beobachtet, sondern ebenso zurück an die eigene. Denn eine fremdere und zugleich faszinierendere Welt inmitten der medial doch scheinbar erschlossenen ist kaum vorstellbar, und wenn man das Buch zuschlägt, ist man beglückt, bereichert und auch ein bisschen neidisch auf die den Alltagsverstand weit hinter sich lassenden Erlebnisses dieses noch viel zu wenig bekannten deutschen Ethnologen und Verwandlungskünstlers.» Stefan Weidner, Süddeutsche Zeitung

«Frembgens jüngstes Buch führt geradewegs hinein in die Erlebniswelt der Sufi-Gläubigen Pakistans. Im Stile von Bronislaw Malinowski hat der Autor das religiäse Treiben an einem Sufi-Schrein Pakistans durch die Methode des bewussten ‹Mitlebens› erforscht und beschrieben. In ‹Am Schrein des roten Sufi› begegnet dem Leser ein völlig anderer Islam: Frembgen ließ sich dort – nicht ohne körperliche Strapazen – mitnehmen und treiben vom Strom der Pilger, die alljährlich in der Provinz Sindh am Schrein des Qualandar-Derwischs Lal Schahbaz ein dionysisches Fest feiern.» Wolfgang Günter Lerch, Frankfurter Allgemeine Zeitung

«Selten las ich einen derart lebendigen Bericht; er ist dicht und packend, kein Wort zu viel, jeder Satz enthält eine willkommene Information. Vermisst man im Buch auf den ersten Blick Fotos, erkennt man bald, dass selbst ein ausführlicher Bildband nicht mehr Informationen bieten könnte, als die genauen und bildhaften Schilderungen des Autors. Das beigegebene ausführliche Glossar ist außerdem hilfreich. (...) Die auf rund hundertfünfzig Seiten geschilderten Fünf Tage und Nächte reißen den Leser hinein in einen überschäumenden Strudel unmittelbar berührender Erlebnisse. Schon während der langen Zug- und Busfahrt von Lahore in das ca. 1000 km südlich gelegen Sehwan lernt man Menschen kennen, denen man selbst nie begegnen wird, ist gefangen von Sprachen und Geräuschen, allerlei Getier - etwa dem kleinen Wasserbüffel der den Zugang zum Abort verstellt - und der Bemühung, im Chaos von Hitze, Gestank und Lärm etwas Ruhe zu finden. (...) Frembgen kann sich in den gängigen Sprachen und Dialekten verständigen, erfährt viele Hintergründe, die er an den Leser unaufdringlich weitergibt; nie wirkt er belehrend. Das Auge des Ethnologen bleibt stets wach, lässt sich weder durch die ganz selbstverständlich angebotenen Rauschmittel, noch das unaufhörliche Dröhnen der Kesselpauken vernebeln. Der Verstand bleibt auf möglichst vollständige Dokumentation bedacht, trotz unvorstellbarer körperlicher Strapazen in der Masse vieler hunderttausend Pilger.» Mitteilungen der Gesellschaft der Freunde islamischer Kunst und Kultur e.V.

«Spannend ist die Reise, auf die Jürgen Wasim Frembgen seine Leser mitnimmt. Nichts Dröges trübt den Bericht dieser Feldforschung. Vielmehr öffnet der Wissenschaftler den Blick auf ein so ganz anderes Land, ein Pakistan, fern von fundamentalistischen Eiferern, terroristischen Bombenlegern und korrupten Politikern, die in unseren Medien das Bild dieses Landes hauptsächlich bestimmen. Seine Sicht ist beobachtend, aber auch teilnehmend. Er könne, schreibt er, mehr als 20 Jahre vertraut mit dem Land, ohne Probleme eintauchen in die emotionale Wärme und Lebensfülle des Ostens. (...) Es ist eine ganz andere Kultur, ein ganz anderer Islam, den der Wissenschaftler zeigt. Der im Gegensatz steht zu dem, den muslimische Fundamentalisten herbeibomben wollen. Jürgen Wasim Frembgen mahnt eine differenzierte Wahrnehmung an; alles andere bestätige nur den Alleinvertretungsanspruch der Islamisten.» Wilhelm Warning, Bayrischer Rundfunk BR 2

«Jürgen W. Frembgen versteht es, selbst das scheinbar Unbeschreibliche sprachlich gewandt und mit einer ausgesprochenen Liebe zum Detail so zu schildern, dass der Leser die Trommeln, die ekstatischen Gesänge und ständigen Anrufungen Gottes, Alis und der Qalandar-Heiligen zu hören, den Geruch von Räucherstäbchen, Rosenwasser, aber auch von allem möglichen Unrat wahrzunehmen meint. Er sitzt mit dem Autor im Kreis der Derwische, glaubt im Gedränge der Pilger kaum noch Luft zu kriegen, lässt sich zum Ausruhen im Laden eines Gemischtwarenhändlers nieder, stöhnt unter der Oktoberhitze und der Last des auf eine Mindestmaß reduzierten Reisegepäcks. (...) Nach der Lektüre bleibt lediglich ein Wunsch offen: Der Autor möge alsbald ein weiteres Buch dieser Art folgen lassen.» Wolf-Dieter Seiwert, Simurgh. Kulturzeitschrift. Zentrum für europäische und orientalische Kultur e. V.

«Die Beschreibungen des Autors machen die Szenerie in besonderem Maße lebendig. Frembgen ist ein außergewöhnlich guter Beobachter, geschult nicht zuletzt durch jahrelange Beschäftigung mit materieller Kultur. Der Leser brauch keine Fotografien, um sich einen Wanderderwisch mit seinen Accessoires vorstellen zu können. (...) Frembgens außergewöhnliches Buch ist ein literarisch-subjektives Zeugnis einer spirituellen Reise-Erfahrung, das ein nicht-wissenschaftliches, aber auch ein Fachpublikum faszinieren kann.» Annette Krämer, Tribus, Jahrbuch des Linden-Museums Stuttgart

«Pakistan ist in Verruf geraten als Hort fanatisierter Islamisten. Dass es daneben in dem Land eine bedeutende Tradition islamischer Mystik gibt, ist darüber beinahe vergessen gegangen. Doch Jürgen Wasim Frembgen kennt sich damit aus aufgrund eigener Erfahrung. Der deutsche Islamwissenschaftler war mit Hunderttausenden von Pilgern Am Schrein des roten Sufi und lässt uns teilhaben am bunten, ekstatischen Betrieb einer Wallfahrt, wie wir sie sonst nur von Berichten aus dem benachbarten Indien kennen: ‹Ganz Sehwan scheint zu vibrieren, ist erfüllt von Rausch, Erregung und überströmender Emotion, ein orgiastischer Reigen von Körpern in Bewegung, Farben und Klängen.›» SPUREN Magazin für neues Bewusstsein

«Hier wird ein sehr lebensfroher Islam gezeigt, der immer wieder mit dem strengen Islam der Buchgelehrten, Moscheevorsteher und religiösen Eiferer kontrastiert wird. Und wenn man die Mythen und Geschichten liest, die dort erzählt werden, wenn man die vielen Heiligen und Wundertäter des Volksislam Revue passieren lässt, dann bieten sich vielerlei Parallelen zu anderen Religionen an, nicht zuletzt zum Katholizismus, in dem oft dieselben Legenden mit anderen Namen verbreitet werden.» Franz-Josef Krücker, Bücherecke/Reiseberichte bei schwarzaufweiß.de (um die gesamte Rezension zu lesen, bitte anklicken und links die Rubrik Reiseberichte auswählen)

«Ein großartiges Buch, inhaltlich hoch interessant, ja immer wieder verblüffend, schriftstellerisch perfekt umgesetzt, mit der richtigen Mischung aus Anteilnahme und Abstand, Beschreibung und Reflexion, eine Lektüre, die einem dem Geschehen denkbar nahebringt und so sehr bereichert, wie ein Buch nur bereichern kann.» Leserzuschrift eines Islamwissenschaftlers

«Direkt am Anfang des Buches war ich angenehm berührt von folgender Aussage: ‹Qalandar werden im Islam mystische Wanderer genannt, die der Welt entsagen und ganz von der Liebe zu Gott absorbiert leben. Sie sind freie, ungebunden vom religiösen Gesetz lebende Sufis, die sich augenfällig vom Establishment der Gesellschaft abwenden.› Es gibt also offensichtlich Sufis, dies sich über das religiöse Gesetz erheben. Dies enspricht meinem Gefühl – nämlich, dass wirkliche Freiheit und Gottesnähe eher außerhalb von Religionen zu finden sind, wenn der Mensch lernt, Gott mit seinem Herzen zu erfassen. (...) Konfessionen spielen bei den Sufis offenbar keine Rolle, und es wird wohl nicht gefragt, ob jemand Sunnit, Schiit, Muslim, Christ oder Hindu sei. Des Weiteren finde ich schön zu lesen, dass der radikale Sufi-Poet Bullhe Schah schrieb: (...) ‹Verbrennt die Bücher des Kadi›, wodurch er die Abneigungn gegen die leblose Buchstabengläubigkeit der Mullas ausdrückt. (...) Phantastische Aussagen, wie ich finde. (...) Dies sind die erfreulichen Aspekte des Islam, die ich in diesem Buch entdeckt habe.» Dieter Wiergowski in einem Interview mit J. W. Frembgen, in: Die andere Realität

«Jedes einzelne der Gespräche Frembgens mit den Besuchern trägt einen Teil zur Einzigartigkeit des Festes bei. Jeder hat seine persönliche Geschichte zu erzählen, warum er nach Sehwan pilgert. Diese Einzelschicksale sind das drängendste Anliegen des Autors, denn sie zeigen, dass es den einen Sufismus nicht gibt. In der Welt der Qalandare, der Wander-Derwische, gibt es keine Konventionen. ‹Folge der Stimme deines Herzens›, ist der Rat, den Frembgen vor seiner Abreise von einer Malangni, einem weiblichen Derwisch, erhält. (...) Man bewegt sich in einem Mikrokosmos, der für sich unglaublich fasziniert und dem Frembgen mit ‹Am Schrein des roten Sufi› eine Liebeserklärung verfasst hat. Mit einer detailreichen, oftmals literarischen Sprache widmet er sich den Ausgestoßenen, die in dieser Welt Zuflucht suchen. Der Leser nimmt all diese bunten Schilderungen wahr, als kämen sie aus einer fremden Welt.» Nils Metzger, Zenith. Zeitschrift für den Orient

«Pilgerfreundinnen und -freunde können sich mit diesem Buch auf eine fünftägige Pilgerfahrt in Pakistan machen und dabei eintauchen in das fremdartige Spektakel der heiligen Stätten in Sehwan Scharif.» Wendekreis

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Englischsprachige Pressestimmen

«Written primarily for the layperson, anyone with an interest in Pakistan, devotional religiosity and Sufism, Islam in South Asia, ethnomusicology, this book will be an informative and delightful read. Anthropologist Jürgen Wasim Frembgen has been conducting extensive fieldwork in Pakistan and been deeply engaged with Sufism for well over 30 years. Frembgen has even become an almost legendary character in some Sufi circles, and during my own work at shrines in Lahore over the last few years, I have often been told about this German “Doctor Wasim” who knows more about Sufism than most disciples themselves. Frembgen’s knowledge of not only Pakistan, Islam, and Sufism, but also of popular expressions of faith and devotion of contemporary Pakistanis lends an extraordinary quality to this book. Unlike many textbooks on Sufism, “At the Shrine of the Red Sufi” offers a vivid exploration of ecstatic Sufism as it is taking place still today.» Ida Sofie Matzen, Anthropos

 

 
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