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Im Meer treibt die Welt

Ruth Erat

Im Meer treibt die Welt

Erzählung

2019

waldgut lektur prosa
168 Seiten

ISBN 978-3-03740-140-8

Preis CHF 28.00

Preis EUR 26.00

 

Moritz Wandeler, ein unauffälliger Anlageberater mittleren Alters, wird während einer Zugfahrt von existentiellem Schwindel erfasst. Er hinterfragt die Wirklichkeit, die Wahrnehmung. Spontan setzt er sich ab und fährt ans Meer, ins spätherbstliche Menton an der Grenze zwischen Frankreich und Italien. In einem schäbigen Hotel nimmt er ein Zimmer mit vue de mer und verliert sich in der Betrachtung des Meeres, hinter dem Schrank am Fenster sitzend oder auf Spaziergängen am Strand.

Sein Dasein in Menton – und somit der Text – gleicht selbst der Brandung, die anrollt und zurückfließt: ein Hin und Her, Auf und Ab zwischen kreatürlichem Sein und analysierendem Bewusstsein, Konzentration auf das Ich und philosophischer Schau des Weltganzen. Beim Versuch, das Wesen des Meeres zu erfassen, gerät Wandeler immer wieder in einen Sog, in strudelnde Gedanken, Kindheitserinnerungen und Tagträume, in denen er sich auch alternative Lebensläufe vorstellt. Textpassagen greifen aus ins All, andere zeigen erheiternd den Betrieb im Touristenort, der eine Winterzuflucht für Mitteleuropäer ist. – Am Rand von Wandelers Blickfeld erscheint, schwebt von Zeit zu Zeit ein senfgelber Mantel, dessen schöner Trägerin er mehrmals kurz begegnet. Auch sie hält ihn am Meer fest.

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Pressestimmen:

«In diesen rasant sich wandelnden Zeiten sind zu Beginn des Buches die Bügelfalten des biederen Anlageberaters noch in Ordnung, später verlieren sie ihre Perfektion immer mehr. Sich mit Zahlen, Kurven, Diagrammen in Scheinsicherheit zu wiegen, die Illusion überschaubarer Ordnung aufrechtzuerhalten, das gelingt Wandeler immer weniger.
Er ist ein Held, der sich Stück für Stück in seiner Lächerlichkeit erkennt: Warum lässt sich scheinbar alle Welt darauf ein, «sich im Nichtbewältigbaren abzumühen, in Anstrengungen zu stürzen, die sich ob dem Ausmass der Ansprüche ins Hilflose und Lachhafte verwandeln», fragt sich Wandeler, der als Figur für den heutigen Menschen stehen mag, der mehr denn je gefordert ist, Wichtiges von Unwichtigem, konkrete Realität von digitaler «Wirklichkeit» zu unterscheiden.»
Martin Presser, St. Galler Tagblatt, 12. April 2019

«[W]enn man sich an den Rand gespült fühlt, von den stetigen Brandungswellen des Alltags, wenn einen das Wasser nicht mehr erreicht und man auf der Mole, dem Fels liegenbleibt, dann sieht man das Branden mit einem Mal aus der Distanz, ist nicht mehr Teil davon. Ruth Erat lässt offen, warum sich ihr Protagonist in jene Situation brachte. So wie es im Leben oft offen bleibt, warum etwas ist, wie es ist. Ruth Erat will nicht erklären, nicht ergründen. Sie geht mit Moritz Wandeler mit. […]
Ruth Erat malt, wenn sie schreibt. Ihre Prosa wirkt wie ein gemaltes Bild nach dem andern. Es ist nicht die Geschichte, die vorantreibt, ein sich aufbauender Plot. So sehr Moritz Wandeler sinniert, reflektiert und seine Gedanken treiben lässt, so sehr malt Ruth Erat literarisch dichte Bilder, mischt Klangfarben, hebt mit Formulierungen Gedankengänge hervor, koloriert innere wie äussere Bilder eines Menschen, der aus seinem Rahmen hinausgetreten ist.»
Gallus Frei-Tomic,
Saiten, Mai 2019

«Wandelers existenzielles Leiden wäre auch für den Leser ein Leiden, könnte Ruth Erat nicht schreiben. Bravourös wandelt sie zwischen verkopftem Weltallblick und durchdringender Beobachtung. In der stockenden und sperrigen Sprache versteckt sich Poesie. Bei aller Kunstfertigkeit bleibt Im Meer treibt die Welt aber eine Erzählung, die man nicht mal so nebenbei liest. […]
Wandelers existenzielle Krise ist kein Buch für jeden. Wer nur nach schneller Unterhaltung oder plotgetriebenen Geschichten aus ist, ist hier sicherlich fehl am Platz. Das Buch verlangt Zeit und Langsamkeit, damit sich die in ihm versteckten Weisheiten erschliessen lassen. In der Langsamkeit kommt dann auch Ruth Erats vielschichtige und poetische Sprache zur Entfaltung.»
Gallus Frei-Tomic, Saiten, Mai 2019

 

 
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